SoSci Survey
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Mehrwellige Befragungen

Wenn ein Teilnehmer zu unterschiedlichen Zeitpunkten befragt werden soll, hat man es mit einer mehrwelligen Befragung, einer Längsschnittstudie oder einer Tagebuchstudie zu tun. Dabei stellen sich zwei Herausforderungen:

  1. Wie bringt man den Teilnehmer dazu, zum jeweils richtigen Zeitpunkt den richtigen Fragebogen auszufüllen?
  2. Wie werden die unterschiedlichen Datensätze eines Teilnehmers am Ende einander zugeordnet?

SoSci Survey bietet eine Reihe von Funktionen, welche die Realisierung mehrwelliger Befragungen ermöglichen bzw. erleichtern.

Grundsatzentscheidung

Technisch gibt es zwei Möglichkeiten, eine mehrwellige Befragung mittels SoSci Survey zu realisieren. Beide haben Vor- und Nachteile. Für beide Varianten gilt, dass man sie im Vorfeld gründlich testen sollte – etwa mit verkürzten Zeiten (Zeitabstand 5 Minuten statt 7 Tage) und Wegwerf-Mailadressen.

Ein Fragebogen

Die erste Möglichkeit ist, dass unter Fragebogen zusammenstellen nur ein Fragebogen angelegt wird. Dieser enthält zuerst die Seiten für die erste Befragungswelle, dann folge eine Unterbrecherseite und anschließend die Seiten für die zweite Befragungswelle.

Die Unterbrecherseite zeigt dem Teilnehmer zunächst eine Verabschiedung (für den ersten Fragebogen-Teil). Kehrt der Teilnehmer dann nach einer definierten Zeitspanne zum Fragebogen zurück (was z.B. mittels mailResume() oder über eine Frage vom Typ E-Mail an persönlichen Kontakt realisiert wird), leitet die Unterbrecherseite direkt zur nächsten Seite weiter, wo der zweite Fragebogen startet. Die Programmierung einer Unterbrecherseite ist in der Referenz zum befehl mailResume() dokumentiert.

  • Vorteile
    • Alle Angaben des Teilnehmers werden in einem Datensatz/Fall/Interview gespeichert.
    • Im zweiten Teil kann problemlos mittels value() oder replace() auf die Antworten aus dem ersten Teil zugegriffen werden – etwa für Filterfragen oder um Fragen mittels Platzhalter an die Angaben des Teilnehmers anzupassen.
  • Nachteile
    • Falls Fragen in beiden Teilen des Fragebogens vorkommen, müssen diese auch im Fragenkatalog dupliziert werden (ansonsten werden die früheren Antworten auf die Frage als Vorauswahl angezeigt und dann überschrieben).
    • Es ist ein wenig komplizierter, gezielt Erinnerungsmails an jene zu versenden, die eine Einladung zum zweiten Teil des Fragebogens erhalten aber noch nicht teilgenommen haben.
    • Wenn jemand beim Ausfüllen des ersten Teilfragebogens abbricht, muss man dafür sorgen, dass er nicht zum zweiten Teilfragebogen eingeladen wird – ansonsten setzt er das Ausfüllen (ohne weitere Filter) and er Stelle fort, wo er abgebrochen hat.
    • Der Fortschrittsbalken muss via option('progress', ...) angepasst oder komplett deaktiviert werden, weil er sonst über beide Teilfragebögen hinweg zählt.
    • Bei Befragungen mit mehr als zwei Befragungswellen wird es kompliziert, sobald ein Teilnehmer eine der Befragungswellen auslassen und später wieder teilnehmen möchte. Für diesen Fall sind zusätzliche Filter im Fragebogen erforderlich.
    • Wenn der Fragebogen erstmal im Feld ist, dürfen im ersten Fragebogenteil keine Seiten mehr hinzugefügt oder gelöscht werden (beim Fortsetzen des Fragebogens für den zweiten Teil landet der Teilnehmer sonst auf der falschen Seite).

Mehrere Fragebögen

In Tagebuchstudien werden meist in jeder Erhebungswelle dieselben Fragen gestellt – und oftmals sollen die Daten durch Multilevel-Analysen ausgewertet werden. Für eine Lösung mit mehreren Fragebögen spricht, wenn…

  1. mehrfach dieselben Fragen verwendet werden sollen
  2. mehr als zwei Erhebungswellen geplant sind
  3. die Daten pro Interview (und nicht pro Teilnehmer) in einzelnen Datensätzen gespeichert werden sollen

Verwendet man mehrere Fragebögen, wird für jeden ausgefüllten Fragebogen ein eigener Datensatz (Datenzeile) gespeichert. Damit diese in der Auswertung einander zugeordnet werden können, benötigen alle Datenzeilen einen eindeutigen Teilnehmer-Code. Diesen erhält man etwa wie folgt:

  1. Versendet man Serienmails, so markiert SoSci Survey alle Datensätze eines Adresseintrags automatisch mit einer eindeutigen Personenkennung in der Variable SERIAL (Zusätzliche Variablen in der Datenausgabe). Dies ist auch ohne Verlust der Anonymität möglich. Wichtig: In der Serienmail muss unbedingt der Platzhalter %link% verwendet werden, damit auch tatsächlich personalisierte Links verschickt werden.
  2. Man kann selbst personalisierte Links versenden. Die Kennung des Teilnehmers wird dann als Referenz oder Seriennummer übergeben (vgl. Der Link zum Fragebogen). Eine Referenz wird in der Variable REF gespeichert, eine Seriennummer (die zudem auch ein Fortsetzen des Ausfüllens erlaubt) in der Variable SERIAL.
  3. Die Teilnehmer sollen aus diversen Angaben (erster Buchstabe des Vornamens der Mutter, letzte Stelle des Geburtsjahres, …) einen persönlichen Code ermitteln und diesen in ein Texteingabefeld eintragen. Aufgrund der Fehleranfälligkeit raten wir von dieser Lösung allgemein ab – und wenn, dann ist es geschickter, die einzelnen Komponenten in einzelnen Textfeldern abzufragen.

Gegenüber einem einzelnen Fragebogen, der etappenweise ausgefüllt wird (oben) hat die Variante mit einzelnen Fragebögen folgende Vor- und Nachteile.

  • Vorteile
    • Es ist (technisch) unproblematisch, wenn ein Teilnehmer einzelne Erhebungswellen verpasst/auslässt.
    • Der Versand von Erinnerungsmails gestaltet sich recht einfach.
    • Eine Frage kann in unterschiedlichen Fragebögen verwendet werden.
    • Derselbe Fragebogen kann beliebig oft an einen Teilnehmer verschickt werden (z.B. Tagebuchstudie)
  • Nachteile
    • Möchte man in späteren Fragebögen auf frühere Antworten des Teilnehmers zurückgreifen, muss man sich der Datenbank für Inhalte bedienen, vgl. Antwort in späteren Fragen verwenden.
    • Man erhält pro Teilnehmer mehrere Datensätze (Datenzeilen), die in der Auswertung ggf. zusammengeführt werden müssen.

Absolute oder relative Zeitpunkte

Je nach Studiendesign bekommen alle Teilnehmer die Einladung zur zweiten Befragungswelle zum selben Zeitpunkt – oder der Zeitpunkt ist davon abhängig, wann sie den ersten Fragebogen ausfüllen (auch eine zufällige Zuteilung des Zeitpunkts ist möglich, s. unten MESM).

Einheitlicher Zeitpunkt

Der Versand einer Einladung zu einem vordefinierten Zeitpunkt erfolgt direkt über die Bedienoberfläche:

  • Unter Einladungen verschickenSerienmails wird eine neue Serienmail angelegt.
    • Wurde bereits zum ersten Teil des Fragebogens via Serienmail eingeladen, wählt man diese im Karteireiter Erinnerungen/Folgemail bei Erinnerung/Folgemail für aus (Art der Folgemail: „Neue Erhebungswelle“) – dann kann man die Einladung gezielt an jene verschicken, die auch den ersten Fragebogen ausgefüllt haben.
    • Im Karteireiter Fragebogen-Link wählt man den richtigen Fragebogen aus.
  • Mit dem Knopf Versand der Serienmail wird anschließend der Versand vorbereitet.
    • Als Zeitpunkt für den Versand wird eben der Zeitpunkt eingetragen, wann die Einladung verschickt werden soll.
    • Unter Empfängerauswahl: Erinnerungs-/Folgemail kann man ggf. noch festlegen, dass nur Adressaten eine E-Mail erhalten, die den ersten Tei des Fragebogens ausgefüllt haben (s. oben).

Versand nach bestimmter Zeit

Soll die Einladung zum zweiten Teil des Fragebogens in Abhängigkeit davon verschickt werden, wann der erste Teil ausgefüllt wurde, kommt ein wenig PHP-Code ins Spiel (s. auch Einführung in PHP-Code). Mit der Funktion mailSchedule() wird dabei festgelegt, wann eine Serienmail an einen bestimmten Teilnehmer verschickt werden soll.

Im Idealfall wird der Teilnehmer schon zum ersten Fragebogen mittels Serienmail eingeladen. Das Vorgehen, wenn die E-Mail-Adresse vorab nicht bekannt ist, beschreibt das Kapitel Mehrwellige Befragungen bei Selbstrekrutierung.

Im ersten Fragebogen wird dann (vorzugsweise gegen Ende, auf einer Seite, die Abbrecher gar nicht erreichen) der Befehl mailSchedule() als PHP-Code platziert, z.B.

mailSchedule(false, 2, 7 * 24 * 3600);

Der erste Parameter false bedeutet, dass eine Serienmail an den Teilnehmer verschickt werden soll, der den Fragebogen gerade ausfüllt. Der zweitere Parameter 2 legt fest, dass die Serienmail mit der Nummer 2 verschickt werden soll. Der dritte Parameter legt fest, dass die Serienmail in genau 7 Tagen verschickt werden soll, angegeben in Sekunden (eine Stunde hat 3600 Sekunden, entsprechend liefert 7 * 24 * 3600 die Anzahl der Sekunden für 7 Tage).

Wichtig: Jede Serienmail kann an jeden Teilnehmer nur einmal verschickt werden. Wenn Sie die gleiche E-Mail mehrfach versenden möchten, legen Sie entsprechend viele Kopien der Serienmail an. Der zugehörige PHP-Code könnte dann aussehen wie folgt (5 Tage lang jeden Tag eine Serienmail):

mailSchedule(false, 2, strtotime('+1 day'));
mailSchedule(false, 3, strtotime('+2 day'));
mailSchedule(false, 4, strtotime('+3 day'));
mailSchedule(false, 5, strtotime('+4 day'));
mailSchedule(false, 6, strtotime('+5 day'));

Im obigen PHP-Code wurde die Funktion strtotime() verwendet. Diese erzeugt aus einer Text-Angabe einen Unix-Zeitstempel (Anzahl der Sekunden seit dem 1.1.1970). Aus '+1 day' wird also der Zeitstempel für „morgen um die gleiche Zeit“. Aus '+1 day 8:00 würde der Zeitstempel für „morgen um 8 Uhr Vormittag“.

Erinnerungsmails

Arbeitet man mit einem festen Versandtermin, lässt sich eine Erinnerungsmails ganz einfach als neue Serienmail anlegen und versenden.

Wenn man hingegen mit relativen Zeiten arbeiten, muss man im ersten Fragebogen sowohl die Einladung zum zweiten Fragebogen als auch die Erinnerungsmail mittels mailSchedule() vorbereiten. Das bedeutet, dass ohne weiteres Zutun beide Serienmails verschickt würden.

mailSchedule(false, 2, strtotime('+7 day'));  // Einladung zum zweiten Fragebogen
mailSchedule(false, 3, strtotime('+8 day'));  // Erinnerungsmail einen Tag später

Im zweiten Schritt muss man dafür sorgen, dass die Erinnerungsmail nicht verschickt wird, wenn der Teilnehmer den zweiten Fragebogen ausfüllt. Dafür platziert man im zweiten Fragebogen den Befehl mailRevoke(). Diese Funktion löscht den eingeplanten Versand wieder vom Zeitplan.

mailRevoke(false, 3);

Anwendungsfälle

Mehrwellige Erhebungen erlauben sehr variantenreiche Erhebungsdesigns. Dieser Abschnitt widmet sich einigen speziellen Anwendungsfällen.

E-Mail-Adresse unbekannt

Für mehrwellige Erhebungen ist es von Vorteil, wenn man die E-Mail-Adressen der Teilnehmer kennt. Darüber kann man ihnen eine (personalisierte) Einladung zum zweiten, dritten, … Teil des Fragebogens schicken. Falls die E-Mail-Adressen vorab nicht bekannt sind, beschreibt das folgende Kapitel eine mögliche Lösung: Mehrwellige Befragungen bei Selbstrekrutierung

Tagebuchstudie

In einer Tagebuchstudie legt man in aller Regel drei Fragebögen an:

  • Vorher-Fragebogen
  • Fragebogen, der täglich ausgefüllt werden soll
  • Nachher-Fragebogen

Falls man die E-Mail-Adressen der Teilnehmer vorab nicht kennt, benötigt man evtl. noch einen vierten Fragebogen für die Registrierung der Teilnehmer (Mehrwellige Befragungen bei Selbstrekrutierung).

Pro E-Mails und Erinnerungsmail, welche jeder Teilnehmer bekommen soll, wird dann eine Serienmail angelegt. Also z.B. jeweils zwei Serienmails für die Vorher-Fragebogen (jeweils Einladung + Reminder) und eine pro Tag. In der Liste der Serienmails gibt es ein Symbol, um schnell Kopien einer Serienmail anzulegen (Knopf: Duplizieren).

Anschließend wird für jede Serienmail einzeln mit Versand der Serienmail noch festgelegt, wann diese versendet werden soll.

Tipp: An welche Adresseinträge die Serienmail versandt wird, wird erst zum Versandzeitpunkt ermittelt – wenn es ein einheitlicher Zeitpunkt für alle Adressen ist. Es können also auch nach Festlegen des Zeitpunkts noch Adressen ergänzt werden.

Wichtig: Verwenden Sie in der Serienmail den Platzhalter %link% bzw. %link.html% und wählen Sie den Fragebogen, auf welchen die Serienmail verweisen soll, im Karteireiter Link zum Fragebogen aus. Der Platzhalter gewährleistet, dass die Datenzeilen jeweils die Personenkennung in Variable SERIAL tragen.

Mobile Experience Sampling Method (MESM)

Eine Sonderform der Tagebuchstudie ist das Mobile Experience Sampling. Dabei werden einem Teilnehmer zu zufälligen Zeitpunkten (innerhalb vorgegebener Zeitfenster) SMS-Nachrichten auf sein Smartphone geschickt, die den Teilnehmer auffordern, möglichst sofort einen kurzen (!) Fragebogen auszufüllen.

  • SoSci Survey unterstützt in der Serienmail-Funktion auch den Versand von SMS.
    • In Serienmails kann man (wenn die SMS-Funktion freigeschaltet ist) die Text- und HTML-Version der Serienmail frei lassen (optional) und stattdessen den Text für eine SMS eintragen. Falls Texte für E-Mail und SMS eingetragen werden, verschickt SoSci Survey die Nachricht über alle für den jeweiligen Adresseintrag verfügbaren Kanäle (also E-Mail und/oder SMS).
    • In der Adressliste können anstatt (oder zusätzlich zu) E-Mail-Adressen auch Mobiltelefon-Nummern hinterlegt werden.
    • Die Opt-In-Frage kann neben einer E-Mail-Adresse auch eine Mobiltelefon-Nummer erfragen. Für die Bestätigung des Adresseintrags ist allerdings zusätzlich die Angabe einer E-Mail-Adresse erforderlich.
    • Wichtig: Die Betreiber von Mobiltelefon-Netzen verlangen ein Entgelt für den Versand von SMS, pro SMS fallen Kosten in Höhe von ca. 0,10 € (zzgl. USt.) an.
  • SoSci Survey unterstützt den Versand von Serienmails (oder eben SMS) zu zufälligen Zeitpunkten.
    • Beim Versand einer Serienmail (Serienmails verschicken) kann man dafür bei Zeitpunkt für den Versand die Option „Zeit-randomisierter Versand“ auswählen und anschließend den Zeitraum definieren.
    • Wichtig: Pro Einladung, die der Teinehmer erhalten soll, muss eine eigene Serienmail angelegt werden. Sollen also z.B. über 7 Tage jeweils 3 SMS pro Tag verschickt werden, müssten 21 Serienmails angelegt werden (man kann Serienmails einfach duplizieren). Für die erste Serienmail würde dann z.B. ein zufälliger Versand am Montag zwischen 8 und 11 Uhr eingeplant, für die zweite Serienmail ein zufälliger Versand am Montag zwischen 11 und 14 Uhr u.s.w.
    • Wichtig: Der Zeit-randomisierte Versand weist jedem Teilnehmer einen bestimmten Zeitpunkt zu. Wenn später noch Adressen in die Adressliste aufgenommen werden, so erhalten diese keine Serienmail, da für sie kein Versandzeitpunkt festgelegt wurde.
  • Fragebögen, die mittels SoSci Survey erstellt wurden, können zwar in aller Regel auch auf dem Smartphone ausgefüllt werden – aber für eine MESM-Studie lohnt es sich, den Fragebogen speziell für das Smartphone zu optimieren (Fragebögen für Smartphones), u.a. mit dem entsprechenden Fragebogen-Layout
de/create/waves.txt · Zuletzt geändert: 14.02.2017 18:03 von fahr
 
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